Grußworte

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Sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderates,
lieber Alt-Bürgermeister Wolfgang Schmidt,
sehr geehrter Herr Sandrock für die Presse,
liebe Gäste.

Wir haben uns heute Abend zur Schlusssitzung dieses Gemeinderates eingefunden. Mit dem heutigen Tag nimmt nachher aber auch der neue Rat der Stadt Neuffen seine Arbeit für die kommenden fünf Jahre auf.

20 ehrenamtliche Ratsmitglieder werde ich nachher auf ihr kommunalpolitisches Amt verpflichten. Der neue Rat wird seine ersten Aufgaben erledigen. Meine Stellvertreter sowie den Ortsvorsteher samt Stellvertreter für Kappishäusern wählen. Aber auch die einzelnen Fachausschüsse und diverse Gremien mit Stadträtinnen und Stadträten besetzen.

Unter dem jetzt aufgerufenen Tagesordnungspunkt steht nun allerdings zuerst mal der gute Brauch im Vordergrund, diese Sitzung für Dankesworte einschließlich der Verabschiedung ausscheidender Stadträte zu nutzen.

5 Ratsmitglieder sind es, die, wenn sie heute den Ratssaal verlassen, sagen könnten: „Ich bin dann mal weg“.

• Jörg Döpper,
• Werner Mönch,
• Florian Moll,
• Ralf Nuffer und
• Dietmar Staiger.

Was sagt man nun als Bürgermeister, der Ratsmitglieder verabschiedet? Wie schätzt man deren Arbeit ein?

Als Erstes: Unsere Demokratie ist ein Geschenk – dass wir gemeinsam im Gemeinderat arbeiten dürfen, ist ein Geschenk unserer Demokratie. Und unsere politische Arbeit im Rat ist ein wichtiger Schritt, um unsere Demokratie zu würdigen. Die Ehre und Wertschätzung dieses Ehrenamtes werden Ihr Begleiter sein, auch über den heutigen Tag hinaus.

Sie alle haben ein Amt ausgeübt, das im Laufe der Jahre nicht leichter geworden ist. Trotz aller Anstrengungen, die so ein Ratsmandat mit sich bringt, hoffe ich aber, dass Ihnen Ihre Tätigkeit auch Freude und Zufriedenheit gebracht hat. Kommunalpolitik bedeutet oftmals ein langsames aber starkes Durchbohren von dicken und teilweise auch harten Brettern. Und das Ganze mit Leidenschaft aber auch mit Augenmaß zugleich.

Herausstellen kann und darf ich auf jeden Fall für Alle, und damit nicht nur für die uns Verlassenden, dass Sie sich als ehrenamtlich tätige Kommunalpolitiker unter Hintenanstellen persönlicher Interessen für das Allgemeinwohl engagiert haben und die weiterhin Aktiven dies auch in Zukunft tun werden.

Sie Alle sind irgendwann in die Kommunalpolitik gegangen, um etwas zu bewegen. Sie haben Verantwortung übernommen und Sie haben für die Gemeinschaft in Neuffen gewirkt. Es verdient Respekt, Dank und Anerkennung. Und ich denke, die Kommunalpolitik gibt einem auch etwas zurück. Es ist auch eine schöne Aufgabe und bereitet Freude, gestaltend im eigenen Umfeld tätig zu sein. Zu sehen, wie sich durch eigenes Zutun Dinge positiv entwickeln.

Kommunalpolitik, das ist nicht bloß Politik im Kleinen, sie hat vielmehr großes Gewicht. In Berlin und Stuttgart wird medienwirksam beschlossen und wir vor Ort müssen oftmals die Suppe auslöffeln, obwohl wir häufig genug im Vorfeld solcher Entscheidungen auf Unzulänglichkeiten und Ungereimtheiten für den Fall der örtlichen Umsetzung hingewiesen haben. Das kommt leider allzu oft vor.

Aber ich sehe viel lieber die positiven Wirkungen unseres Tuns in diesem Ratssaal im Vordergrund. Das, was hier an dieser Stelle beschlossen und danach umgesetzt wird, ist sicht- und spürbar. Die Entscheidungen, die im Gemeinderat gefällt werden, sie betreffen unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger direkt und unmittelbar. Jeder Einzelne merkt es privat, in der Familie, in seinem Verein, im Betrieb. Im Gegensatz zu Landtags- und Bundestagsabgeordneten werden Sie als Kommunalpolitiker ganz schnell mit den Folgen Ihres Tuns und Handelns konfrontiert.

Liebe, ich sage jetzt schon mal Ehemalige. Sie haben über die Jahre mit viel Elan und Sachkenntnis für Ihre Vorstellungen und Ziele gefochten und dabei sowohl den Weitblick, aber auch den Sinn für das Machbare bewiesen. Und sich für die Dinge eingesetzt, die Ihnen am Herzen lagen. Es gehört auch zur Kommunalpolitik dazu, nicht mit allen Vorschlägen und Ideen durchzukommen. Manchmal sind die Bretter eben doch härter als die Bohrer. Rückschläge sind dann sportlich zu nehmen, ein beharrliches Weiterbohren ist die Devise.

Besonders hervorheben möchte ich all Ihren enormen zeitlichen Einsatz für unser Städtle. Neben der Teilnahme an den Gemeinderats- und Ausschusssitzungen nimmt die Vorbereitung hierauf ja schließlich auch einen breiten Raum ein. Und nicht zuletzt erwarten unsere Bürgerinnen und Bürger zu Recht, dass Sie sich Zeit für Gespräche und deren Anliegen nehmen. Selbstverständlich benötigt man dann im Einzelfall auch mal ein dickes Fell sowie ein hohes Maß an Frustrationstoleranz. Denn, diese politische Binsenweisheit ist ja hinlänglich bekannt, man kann es eben nicht Allen Recht machen.

Ihr Einsatz verdient auch schon deshalb Respekt, als üblicherweise Angehörige der kommunalen Gremien zu der Sorte Menschen gehören, die sich auch in anderer Weise bürgerschaftlich engagieren. So ist dies auch bei Ihnen. Auch für Sie gilt die Devise: „wen der liebe Gott einmal bei der Arbeit erwischt hat, dem schickt er ständig neue Aufgaben.“

Es sind in der Tat jetzt ausschließlich Kollegen, die uns heute verlassen, ist mir bei der Vorbereitung der Sitzung aufgefallen. Die Kolleginnen halten uns weiterhin die Treue. Ganz im Gegenteil sind mit der Kommunalwahl ja weitere zwei Frauen hinzugekommen. Mit nunmehr sechs an der Zahl wohl ein Rekord für Neuffen und auch vorbildlich für andere, weil auch in den Kommunen um uns herum bisher nicht erreicht.

5 Jahre Stadtrat waren Florian Moll und Dietmar Staiger, 10 Jahre Ralf Nuffer, 20 Jahre Werner Mönch Ratsvertreter der Stadt Neuffen. Und seit sage und schreibe 35 Jahren treibt es Jörg Döpper als Stadtrat in Neuffen um. Da kann man wahrlich von einem kommunalpolitischen Urgestein sprechen. Zumal er von seinen 35 Jahren die Mehrzahl an Jahren so ganz nebenbei auch noch Stellvertretender Bürgermeister war.

Die Armbanduhr der Stadt Neuffen, die ich Euch als kleines Dankeschön schon auf den Tisch gelegt habe, soll Euch nicht zeigen, was die Stunde geschlagen hat. Sondern Euch an Eure alte Wirkungsstätte hier erinnern. Und damit es nicht ganz so trocken abgeht, bekommt Ihr zusätzlich pro angefangene Wahlperiode noch Geschenke in flüssiger Form, die ebenfalls schon auf Euren Plätzen liegen und Kollege Jörg Döpper einen Gutschein zur Ausübung seines Hobbies. Aber auch den städtischen Regenschirm darf ich Euch gleich noch mit meiner Dankesurkunde überreichen. Ihr seht, wir lassen Euch auch nach Eurer aktiven Zeit nicht im Regen stehen.

Ich habe Euch kennengelernt, dass Ihr Eure Meinung hier ohne Wenn und Aber und ohne Fraktionszwang, manches Mal dann auch gegen die Intentionen Eurer Parteifreunde, offen vertreten habt. Und das war auch gut so.

Lieber Florian, lieber Dietmar, es war bis jetzt Eure einzigste Wahlperiode hier im Gemeinderat, in den Ihr vor fünf Jahren eingezogen seid. Beruflich bedingt hast Du, Dietmar, Dich nicht mehr in der Lage gesehen, dieses Amt für Deine Kappiser Bürgerschaft so auszuüben, wie es erwartet wird. Dies verdient besonderen Respekt und Würdigung. Ein herzliches Dankeschön für Dein Wirken hier am Ratstisch. Bei Dir, Florian, hat der Wähler nun eben anders entschieden, was aber in keinster Weise als Niederlage anzusehen ist. Ich bin mir recht sicher, dass wir Dich auch hier irgendwann wieder am Ratstisch sehen werden. Auf jeden Fall auch Dir ein ganz herzliches Dankeschön für Deine Arbeit.

Ralf „Gino“ Nuffer, auch Dir ist es nicht leicht gefallen, Dich für Deine Freien Wähler nicht mehr aufstellen zu lassen. Aber auch bei Dir waren es ausschließlich die beruflichen Gründe, die Dich zu diesem Entschluss aufzuhören bewogen haben. Aber Du wirst uns über Deinen VfB Neuffen auf jeden Fall erhalten bleiben und wer weiß, vielleicht sieht man sich ja doch auch hier in diesem Raum mal wieder. Ein Dankeschön auch für Dich und für die Zukunft alles Gute Dir und Deiner Familie.

Werner Mönch hat maßgeblich nicht nur hier einfach so am Ratstisch Platz genommen, er war die letzten beiden Wahlperioden auch einer meiner Stellvertreter. Und nicht nur als Stadtrat war auf ihn Verlass, auch wenn er mal für mich irgendwo einspringen musste, genügte meist ein Anruf und Werner war zur Stelle. Sein Rückzug aus dem Ratssaal hier ist ebenfalls beruflich bedingt.

35 Jahre, das bedeutet zunächst, dass Jörg Döpper unseren legendären Dieter Reiss abgelöst hat, der es „nur“ auf 34 Jahre gebracht hatte. 1984 in den Gemeinderat eingezogen, hast Du, lieber Jörg, mit Kurt Schmid, Wolfgang Schmidt und mir drei Bürgermeister erlebt. Als mein erster Stellvertreter haben wir von Anfang an ein vertrauensvolles und mit der Zeit entwickeltes freundschaftliches Miteinander gelebt, auf das ich sehr stolz bin. Du hast nicht nur als Stadtrat sehr viel für Neuffen bewirkt. Neuffen konnte sich froh und glücklich schätzen, dass Du lange Jahre im Landtag in Stuttgart unsere Interessen vehement vertreten hast und dabei natürlich auch das Eine oder Andere für Neuffen aus Stuttgart rausschlagen und mitbringen konntest. Aber auch als Kreisrat hast Du in Esslingen unsere Belange wahrgenommen. Wenn auch nicht für Deine Partei, so bin ich im Landkreis Esslingen vor 5 Jahren gerne in Deine Fußstapfen gestiegen und habe auf Wunsch unserer Bürgerschaft Dein Mandat im Kreistag übernommen und führe dies auch in den nächsten 5 Jahren weiter.

Deine einzelnen Verdienste für Neuffen anhand von Einzelobjekten aufzuzählen, da würden wir morgen früh noch hier sitzen. Ich persönlich bedauere es sehr, Dich nicht mehr im Rat zu haben und insbesondere auf Dich nicht mehr als Stellvertreter zurückgreifen zu können. Aber auch wir Beide werden unverändert freundschaftlich miteinander verbunden bleiben. Ich sage Dir einfach nur ein herzliches Dankeschön für unsere gemeinsamen acht Jahre hier im Neuffener Rathaus.

Meine Damen und Herren, nicht nur die soeben in den Ruhestand Verabschiedeten gilt es zu ehren. Ab 20-jähriger Zugehörigkeit zu einem Gremium gibt es Ehrungen mit Stelen, Anstecknadeln und Ehrenurkunden unseres Gemeindetags. Diese Ehrungen werden für 20-, 30- und 40-jährige Zugehörigkeit zuteil. Deshalb gilt es dafür heute zu ehren

• Werner Mönch für 20-jährige Zugehörigkeit zum Gemeinderat Neuffen, und
• Martin Hirner für 30-jährige ununterbrochene Ratszugehörigkeit.

Bei Werner Mönch brauche ich mich jetzt nicht wiederholen in dem, was ich schon gesagt habe und komme deshalb gleich zu Ratskollege Martin Hirner, der seit 30 Jahren nicht nur den Gemeinderat bereichert, sondern von seiner beruflichen Tätigkeit her mit den besten Voraussetzungen ausgestattet ist, auch dem Aufsichtsrat der Stadtwerke Neuffen AG mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Für uns im Gemeinderat und in der Verwaltung ist er als Vereinsvorsitzender ein unverzichtbares wandelndes Lexikon, wenn es darum geht, Informationen über die örtlichen Verhältnisse in der Stadt zu erhalten.

Lieber Martin, ich freue mich sehr auf die weitere Zusammenarbeit mit Dir und bin froh, dass Du die aktive Politik dem kommunalpolitischen Rentnerleben vorgezogen hast.

Liebe Mitglieder des Gemeinderates, liebe Gäste. Selbstredend darf ich, bevor ich nun zum Schluss komme, in unserer aller Dank auch die Partnerinnen der Geehrten mit einbeziehen. Sie haben in all den Jahren manche Stunden auf ihre Ehemänner verzichten müssen und ihnen den Rücken freigehalten. Deshalb grüße ich Sie nicht nur mit einfachen Dankesworten, sondern den obligatorischen Blumen. Aber nicht in Form eines Blumenstraußes, sondern überreiche Ihnen jeweils einen Gutschein. Der hält länger und Sie können ihn nach eigenem Belieben einlösen.

Liebe Frau Rektorin Müller,
sehr geehrter Herr Müller,
Frau Rektorin Maier von der benachbarten Werkrealschule,
liebes Kollegium der Realschule,
verehrte Gäste und Vertreter der Presse.

Als Vertreter der Stadt Neuffen als Schulträger ist es für mich eine besondere Freude, aber auch ein besonderes Bedürfnis, Sie, liebe Frau Müller, heute als neue Leiterin der Realschule Neuffen nun auch offiziell zu begrüßen. Und ich darf Ihnen dazu neben meinem persönlichen Dank, dass Sie sich für Neuffen entschieden haben, den Dank der Stadtverwaltung und der Mitglieder des gesamten Gemeinderates aussprechen und Ihnen von allen die besten Grüße übermitteln. Gleichfalls darf ich meine Grußworte auch im Namen meiner Kollegen aus den Gemeinden, die ebenfalls Schülerinnen und Schüler nach hier entsenden, an Sie richten.

Die heutige feierliche Amtseinsetzung findet in einer Zeit statt, in der alles im Schulwesen diskutiert, wenn nicht sogar in Frage gestellt wird. Kein Wunder also, dass es immer schwerer wird, geeignete Persönlichkeiten für Schulleiterstellen zu finden. Richtig ist auf jeden Fall, dass die Anforderungen an die Aufgaben eines Schulleiters in den letzten Jahren enorm gestiegen sind.

So soll ein Schulleiter neben der pädagogischen Eignung Managerqualitäten besitzen, andererseits aber nicht nur Verwaltungsleiter sein, sondern eine ausgesprochene Führungspersönlichkeit. Führungspersönlichkeiten, die ihre Lehrer stärken, loben oder kritisieren sollen, ihnen Hilfen bieten, aber gleichzeitig auch kontrollieren sollen, ob sie die vereinbarten Ziele auch erreichen. Dazu gehört auch Veränderungsbereitschaft, weshalb sich auch für Schulleiter die generellen Anforderungen an Führungspersönlichkeiten kurz wie folgt zusammenfassen lassen:

• Wille, als überdurchschnittliche Durchsetzungsfähigkeit und Erfolgsorientierung.
• Energie, die ihren Ausdruck in Initiative und Engagement findet.
• Kontrolle, auch verstanden als Verantwortungsbewusstsein und eigene Solidität.
• Empathie, um sich in andere Menschen hineinversetzen zu können.

Dies, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist nicht wenig. Aus diesem Grunde sind wir froh, dass in Nachfolge von Herrn Rektor Hoffmann nun mit Frau Müller die Stelle der Rektorin unserer Realschule dann doch nicht nur verhältnismäßig schnell, sondern auch qualifiziert wiederbesetzt werden konnte. Die Schulbehörden attestierten Frau Müller die vorbehaltslose Eignung für diese Aufgabe. Hinzu kommt, dass Frau Müller ja quasi aus diesem Stall stammt und also sowohl ihr Land als auch ihre Leute kennt.

Und eben weil auch ich Frau Müller schon lange kenne, kann ich als Vertreter des Schulträgers jetzt schon bestätigen, dass sie über das notwendige Maß an Wille und Energie verfügt und ihre Vorstellungen auch klar artikuliert. Zusammengefasst lässt sich aus unseren Begegnungen sagen, dass die neue Schulleiterin konzeptionell weiß, was sie will und den Schulträger in die Pflicht nehmen wird. Insoweit, liebe Frau Müller, müssen Sie es mit den Führungsqualitäten „Wille und Energie“ nicht gleich übertreiben, sondern dürfen sich gerne an die alte Seglerweisheit halten, wonach es sich bei „halbem Wind“ am besten Segeln lässt.

Auf gutes Gelingen, weiterhin gute Zusammenarbeit und alles Gute für Ihre Zukunft hier an Ihrer Realschule Neuffen, die auf ihrer Homepage wie folgt beschrieben wird:

„Vom Hohenneuffen, unserem Berg, gleicht unsere Schule einem Zwerg.
Wird aus der Nähe sie gesehen, ist sie trotz mancher Macken schön.
Es zollt bei näherer Betrachtung, ein jeder ihr gebührend Achtung.
Wir finden unsere Schule toll und alle Lehrer wundervoll.
Denn sie bemühen sich um uns und das ist keine leichte Kunst.“

Mit diesen Worten begrüßen die Schülerinnen und Schüler unserer Realschule ihre Gäste. Und dem ist auch heute an Begrüßung nicht viel mehr hinzuzufügen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren des Gemeinderats,
liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

die konjunkturellen Rahmendaten schauen von der Gewerbesteuerentwicklung her zwar etwas ungünstiger für Neuffen aus, schlagen sich aber in Form eines erhöhten Anteils an der Einkommensteuer auch in diesem Jahr wieder in den kommunalen Haushalten nieder. Wir können auch in diesem Jahr noch mal den Haushalt ausgleichen, ohne für unsere Investitionen auf den Kreditmarkt gehen zu müssen.

Ich möchte aber auch die heutige Gelegenheit nutzen und das wiederholen und eindringlich darauf hinweisen, was ich anlässlich meiner Antrittsrede vor gut einer Woche gesagt hatte: Ab dem Jahr 2020 mit unseren beiden Großinvestitionen in die Stadthalle und Mensa werden wir nicht umhin kommen, dafür auf den Kreditmarkt gehen zu müssen. Aber auch das wiederhole ich mit ebensolcher Beharrlichkeit: Solche Investitionen müssen ganz einfach auf die Schultern mehrerer Generationen verteilt werden, da insbesondere diese beiden Einrichtungen schließlich ja auch von mehreren Generationen genutzt werden.

Der finanzielle Spielraum der Stadt kann sich in diesem Jahr durchaus noch sehen lassen. Altlasten drücken uns nicht mehr, nachdem wir Fehlbeträge aus Jahren zurück im Jahr 2013 endgültig ausgleichen konnten. Die Zuführungsraten vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt können wir auch in diesem Jahr mit einem Betrag von 750.000,– € fortsetzen. Trotzdem kommen wir nicht darum herum, eine Entnahme aus den Rücklagen in Höhe von 115.000,– € zu tätigen.

Wir legen Ihnen für 2019 einen Haushaltsplanentwurf vor, der mit einem Volumen von insgesamt 15,464 Mio. € abschließt. Auf den Verwaltungshaushalt entfallen ca. 13,809 und auf den Vermögenshaushalt ca. 1,655 Mio. €. Der Höchstbetrag der Kassenkredite ist identisch mit den letzten Jahren auf 1,9 Mio. € veranschlagt.

Im Verwaltungshaushalt sind die Einnahmen bei der Gewerbesteuer mit 1,05 Mio. € und bei der Grundsteuer mit insgesamt 790.000,– € veranschlagt. Die Hebesätze für beide Steuerarten möchten wir, wie sie seit dem 1. Januar 2010 festgesetzt wurden, auch in diesem Jahr wieder unverändert belassen. Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer ist nach der Steuerschätzung mit 4,450 Mio. € eingeplant. Der Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer ist mit 205.000,– € veranschlagt. Die Finanzzuweisungen werden mit rund 2,7 Mio. € erwartet. Das Gebührenaufkommen und die Einnahmen aus gebührenähnlichen Einnahmen belaufen sich auf 565.000,– €, was einem Anteil von ca. 4,1 % an den Einnahmen des Verwaltungshaushaltes entspricht.

Bei den Ausgaben liegen die Schwerpunkte naturgemäß wieder in der Unterhaltung des städtischen Vermögens und sind in den Sammelnachweisen zum Haushaltsplan aufgegliedert. Der Personalaufwand ist mit 4,084 Mio. € geplant auf der Basis des Rechnungsergebnisses 2017 sowie den Entwicklungen des Jahres 2018 und den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst.

Die Einnahmen im Vermögenshaushalt kommen neben der schon genannten Zuführung vom Verwaltungshaushalt und der ebenfalls schon ausgeführten Entnahme aus den Rücklagen aus Zuweisungen und Zuschüssen für die Stadtsanierung IV, den Bau der Mensa, die Sanierung vom Großen Haus sowie zur Medienausstattung der Realschule. Die investiven Ausgaben sind mit insgesamt 1,655 Mio. € eingestellt. Darunter fallen als größte Posten der Bau der Mensa, die Maßnahmen innerhalb der Stadtsanierung IV, der Ausbau der Mörikestraße und eines Teilbereiches der Straße Ziegelrain, die Sanierung vom Großen Haus sowie die Erschließung vom Baugebiet Hofackerweg in Kappishäusern.

Nicht verschweigen möchte ich natürlich, dass wir in unserem Planentwurf in diesem Jahr erstmals mit der Zahlung in unseren Hochwasserschutzfonds aussetzen wollen. Wir denken, dass wir da in den letzten Jahren durch unsere jährlichen Einzahlungen von jeweils 30.000,– € einen soliden Grundstock angelegt haben und es uns auch mal für 2 oder 3 Jahre erlauben können, auf eine weitere Aufstockung zu verzichten. Wenn es aber der allgemeine Wunsch des Gemeinderates ist, auch 2019 weiterhin einzuzahlen, so pflegen wir dies selbstverständlich in den Haushaltsentwurf noch ein mit den sich daraus dann natürlich zwangsläufig ergebenden Veränderungen bei den korrespondierenden Haushaltsstellen.

Ich bedanke ich mich nicht nur an dieser Stelle bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im gesamten Hause, insbesondere und federführend bei unserem Kämmerer Bernd Eggstein und seiner Stellvertreterin Tanja Schöllhammer für das ausführliche Zahlenwerk. Herr Eggstein wird Ihnen nun gerne seinen zweiten Haushalt der Stadt Neuffen im Detail erläutern und zusammen mit uns am Vorstandstisch für Ihre Fragen zur Verfügung stehen.

Sehr geehrter Herr Landrat Eininger,
Frau Erste Landesbeamtin Dr. Leuze-Mohr,
Herr Neckernuß von der Kommunalaufsicht,
lieber Jörg Döpper und Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates,
liebe Kollegen Simon Blessing und Roman Weiß aus Frickenhausen und Erkenbrechtsweiler, die Kollegen aus Beuren und Kohlberg lassen sich wegen eigener Gemeinderatssitzungen entschuldigen,
ein herzlicher Gruß an das Rathausteam,
verehrte Gäste,

mit Ihnen verbindet mich nun eine über 8-jährige intensive, vertrauensvolle und vor allem inhaltlich anspruchsvolle Arbeit. Was mich mit Ihnen besonders verbindet ist von Anbeginn, dass Gemeinderat und Verwaltung Hand in Hand und im Miteinander arbeiten, Herausforderungen annehmen und innovativ unser Städtle voranbringen. Das Gemeinsame zu suchen und Entscheidungen auf eine solide und breite Basis zu stellen, war und ist mir wichtig, weil wir nur so die Herausforderungen annehmen und bewältigen können.

Demokratische Wahlen bringen Mehrheitsverhältnisse nicht zuletzt auch in einen Gemeinderat. Diese Mehrheiten gilt es zu respektieren und Demokratie bedeutet halt nun mal auch, dass die Entscheidungen von Mehrheiten respektiert und die Interessen von Minderheiten gewahrt werden. Aufgabe der kommunalen Politik ist es, einen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen unserer Bürgerinnen und Bürger zu schaffen. Dieser ab und zu auch mal mühsame Weg fordert, dass alle Beteiligten in manchen Sachfragen über den eigenen Schatten springen und im Sinne des Gemeinwohls handeln und entscheiden müssen

Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates Neuffen kann ich ausnahmslos bestätigen, dass Sie all das soeben Gesagte beherzigen und Leben. Jetzt bleibt für uns alle der Wunsch, dass es nach dem Tag der im Mai anstehenden Kommunalwahl auch in einer möglichen Neubesetzung Ihres und unseres Gremiums so weitergeht, wie ich es in den letzten fünf Jahren mit Ihnen und die drei Jahre davor mit Ihnen und Ihren Vorgängern erleben durfte.

Wünsche gehören selbstverständlich zum Alltag auch in einer Stadt wie unserem Neuffen. Die Frage, die sich jeder sich stellen sollte, wenn er zum Kleiderkaufen geht ist nicht die, was seine Wunschmaße gerne wären, sondern was seine tatsächlichen Maße sind. Auf uns kommunalen Mandatsträger bezogen ist es unerlässlich zu erkennen, dass Visionen selbstverständlich erlaubt sind, aber die Gemeindepolitik erst mit dem Betrachten der Realitäten beginnt und nur darauf Entscheidungen gegründet werden dürfen, die dann auch Vertrauen in der Bürgerschaft schaffen.

Vertrauen habe ich in den letzten 8 Jahren in reichem Maße aus Ihrer Mitte und in ganz Neuffen erfahren dürfen. Dafür meinen herzlichen Dank an Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen vom Gemeinderat. Und ein Dankeschön natürlich auch heute noch mal an unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger für das Wahlergebnis am 7. Oktober 2018 anlässlich meiner Wiederwahl und den damit einhergehenden Vertrauensvorschuss.

Auch auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus konnte und kann ich mich immer verlassen, egal von welcher Seite der Wind weht. Wir haben gemeinsam Ideen entwickelt, Vorschläge gemacht, Lösungen gesucht. Das war ein Miteinander, ein Mitziehen. Das brauchen wir auch in der Zukunft und dafür stehe ich auch weiterhin. Und deshalb ein großes Dankeschön für die konstruktive Zusammenarbeit auch an Sie und Euch und alle anderen Kolleginnen und Kolleginnen, die auf der Lohnliste der Stadt und Stadtwerke stehen und ebenfalls ihren Teil dazu beitragen, dass es in ihrem Neuffen keinen Stillstand gibt, sondern ständig vorwärts geht.

Als Bürgermeister war es mir immer wichtig, den Gemeinderat über alle Fraktionen und Parteigrenzen hinweg mitzunehmen, transparent zu informieren und möglichst breite Mehrheiten zu erreichen. In meiner Antrittsrede am 11. Januar 2011 in unserer Stadthalle hatte ich wörtlich zugesagt, dass es mit mir keinen CDU-Kindergarten, keinen Freien-Wähler-Spielplatz, keine SPD-Straße und auch kein UBL-Baugebiet geben wird. Das habe ich eingehalten und wird auch in Zukunft meine Marschrichtung sein.

„Der Einfall ersetzt nicht die Arbeit“. Nicht nur dieser Leitspruch unseres Landrats ist nachahmenswert. Konzepte sind schließlich nicht für die Schublade, sondern die Grundlagen für Lösungen. Konzepte sind aber auch immer nur so gut, wie deren Umsetzung. Unsere Aufgabe ist es, die Zukunft im Blick zu haben und das zu tun, was jetzt dafür notwendig ist. Was wir in den letzten acht Jahren gemeinsam umgesetzt haben, ist auszugsweise heute Abend schon mehrmals erwähnt worden.

Solide Finanzen sind die Grundlage für Alles. Nach diesem Motto wurde gearbeitet und wird auch die nächsten acht Jahre gearbeitet. Wir haben in den ersten Jahren meines Hierseins einige Alt-Verbindlichkeiten abbauen können. Wobei uns, was ich gerne zugebe, die Konjunktur und damit einhergehenden Gewerbesteuereinnahmen mehr als geholfen haben. Das möchte ich deshalb auch nicht auf meine Fahne schreiben. Aber alle unsere Investitionen in den letzten Jahren konnten wir schultern, ohne dass wir auf den Kreditmarkt gehen mussten. Wir können uns zwar keine Luxusdinge leisten, aber die wollen wir auch gar nicht. Wir haben uns das erlaubt, was wir auch bezahlen konnten.

Ich möchte aber nicht verschweigen, dass mit der Sanierung der Stadthalle sowie dem Bau der Mensa im Schulzentrum, um gerade die beiden uns investiv am stärksten belastenden Gebäude zu nennen, es auch erlaubt sein muss, zu deren Finanzierung jetzt doch Kredite aufzunehmen. Investitionen gerade in die Stadthalle oder die Mensa dürfen durchaus auf die Schultern mehrerer Generationen verteilt werden. Auch der damalige Bau der Stadthalle vor nunmehr über 50 Jahren wurde mitunter über Kredite finanziert.

Aber noch bewegen wir uns in der Gegenwart. Aktuell steht unser Städtle gut da. Das ist das Ergebnis Ihrer Mithilfe, liebe Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats, das Ergebnis unseres Zusammenwirkens. Ich möchte in Ihrem Sinne und für Sie die Chancen und die guten Rahmenbedingungen, die uns unser Land und dessen hervorragende wirtschaftliche Entwicklung bieten, gerne auch weiterhin nutzen. Mit Ihrer Unterstützung möchte ich auch in Zukunft meinen Teil dazu beitragen für folgende Themen, die wir uns gemeinsam zur Umsetzung vorgenommen haben:

• Sanierung der Stadthalle
• Bau der Mensa
• Erschließung eines Baugebietes in Kappishäusern
• Baugebietsentwicklungen in Neuffen
• Unveränderte Unterstützung der Vereine, Firmen und Betriebe
• Bedarfsgerechte Ausstattung unserer Feuerwehren
• Sanierung „Großes Haus“
• Neue Grabarten nun auch auf dem Friedhof Kappishäusern
• Weiterführung der Breitbandversorgung mit durchgehendem Glasfasernetz
• Bedarfsgerechter Ausbau unserer Kindergärten und Sicherung des unseres Schulstandortes

Diese Aufzählung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und insbesondere ist aus der Reihenfolge auch keine Wertung herzuleiten. Packen wir gemeinsam mit an und krempeln auch weiterhin die Ärmel hoch, um Neuffen und Kappishäusern als unsere Heimat und unseren Lebensraum zu bewahren und weiterzuentwickeln.

Haben Sie herzlichen Dank und wenn ich richtig informiert bin, dann habe jetzt auch wieder die Sitzungsleitung und darf unsere heutige Gemeinderatssitzung schließen und Ihnen allen noch einen schönen Abend wünschen.

Verehrte Kirchengemeinde, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in diesem Jahr blicken wir in vielfältiger Weise auf die letzten beiden Weltkriege zurück. Der Erste endete vor 100 Jahren und wurde mit Recht die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ genannt. Die zivilisierte Welt fiel in Abgründe. Doch damit nicht genug: 25 Jahre nach dem Ersten begann nach dem Hitler-Stalin-Pakt der Zweite Weltkrieg, der Schrecken und Gewalt ins Unfassbare steigerte.

Heute, ein ganzes Jahrhundert nach Ende des Ersten und nun fast 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges fällt es vielen Menschen – insbesondere den jüngeren – schwer, die Bedeutung, die der Volkstrauertag für die Kriegs- und Nachkriegsgeneration hatte, zu begreifen oder gar zu teilen. Ist der Volkstrauertag somit in naher Zukunft ein Gedenktag ohne Volk?

Bald wird es kaum noch Zeitzeugen und Angehörige geben. Die Friedhöfe werden mehr und mehr Orte des Gedenkens und Lernens und können so künftig ihre gesellschaftliche Bedeutung bewahren. Damit das aber möglich ist, müssen wir sie besser erklären, die historischen Zusammenhänge benennen, die verschiedenen Opfer und ihre Situation stärker in den Blick nehmen.

Sind wir, wenn wir der Kriegstoten des 20. Jahrhunderts gedenken, in einer weit zurückliegenden Vergangenheit, die uns ohne Berührungspunkte zum Hier und Jetzt nicht mehr ängstigen muss? Die Schreckensbilder in den Abendnachrichten machen rasch deutlich, dass die Welt auch heute nicht vom Frieden regiert wird und Menschen nach wie vor unter Hunger, Krieg und Verfolgung leiden. So sind unsere Gedanken in diesem Jahr auch bei allen Opfern von Konflikten auf dieser Welt. Um die Fehler von gestern nicht zu wiederholen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Indem wir die Toten und die Orte des Schreckens nicht vergessen, wird ein unerlässlicher Beitrag zum Frieden und zur Demokratie in der Gegenwart geleistet.

An diesem Novembertag versammeln sich nahezu in jeder Gemeinde, in jeder Stadt Menschen, die der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedenken. Auch wenn die Teilnehmerzahl abgenommen hat, so ist es doch denen, die sich versammeln, wichtig, gemeinsam an das Unrecht der Willkürherrschaft und an die Schrecken des Krieges, an das Leid der Menschen, die verfolgt, verschleppt, vertrieben, gedemütigt, verwundet oder getötet wurden, zu erinnern. Die Unmenschlichkeit hatte unglaublich viele verschiedene Facetten. Dabei bleibt seit Jahrzehnten unser Blick nicht in den nationalen Bahnen gefangen. Ausdrücklich schließen wir die Opfer der anderen Nationen in unsere Gedanken mit ein.

Die Notwendigkeit, der Toten zu gedenken, wird in Anbetracht der Feinde unserer Demokratie erneut deutlich. Viele der terroristischen Gruppen, die auch auf junge Menschen eine hohe Anziehungskraft ausüben, sehen im europäischen Integrationsprozess die Wurzel allen Übels. Richtig ist, dass die Europäische Union vor großen Herausforderungen steht, wodurch sie regelmäßig auch unter Legitimierungszwang gerät.

Die Notwendigkeit des europäischen Zusammengehens lässt sich wohl kaum eindrucksvoller unter Beweis stellen, als durch einen Blick auf das 20. Jahrhundert. Erst das Zusammenrücken der Nationen hat einen verlässlichen Frieden ermöglicht, welcher zuvor nicht möglich schien. Die Kriegsgräber von Millionen Toten mahnen die Lebenden und sind deshalb bedeutender Teil unserer europäischen Identität. Auch deshalb dürfen wir sie nicht radikalen Europagegnern, Extremisten und Nationalisten überlassen.

Der Volkstrauertag darf sich nicht allein in der Rückschau und in der Tradition erschöpfen. Er ist ein sehr aktueller Gedenktag, den wir brauchen. Er schützt vor dem Vergessen und Verdrängen. Er mahnt uns, aus den Schreckensbildern der Vergangenheit die richtigen Schlüsse zu ziehen. Gegen Krieg und Gewalt – für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit – das ist seine Losung. Am heutigen Volkstrauertag bekennen wir uns zum Wert des Lebens.

Lieber Herr Hoffmann,
sehr geehrte Frau Hoffmann,
sehr geehrtes Kollegium der Realschule,
liebe Gäste und Vertreter der Presse.

„Vom Hohenneuffen, unserem Berg, gleicht unsere Schule einem Zwerg.
Wird aus der Nähe sie gesehen, ist sie trotz mancher Macken schön.
Es zollt bei näherer Betrachtung, ein jeder ihr gebührend Achtung.
Wir finden unsere Schule toll und alle Lehrer wundervoll.
Denn sie bemühen sich um uns und das ist keine leichte Kunst.“

Mit diesen Worten begrüßen die Schülerinnen und Schüler unserer Neuffener Realschule ihre Gäste auf der schuleigenen Homepage. Und dem ist auch heute an Begrüßung nicht viel mehr hinzuzufügen.

Als Vertreter der Stadt Neuffen als Schulträger ist es für mich eine besondere Ehre, aber auch ein besonderes Bedürfnis, Sie, lieber Herr Hoffmann, heute als Rektor und damit Leiter der Realschule Neuffen zu verabschieden.

Unsere Stadt verabschiedet einen ihrer profiliertesten Schulleiter, wichtigen Ratgeber und Innovator der Unterrichts- und Schulentwicklung der letzten Jahre aus seinem Beruf. Das sind Grund und Anlass für besondere Anerkennung Ihrer herausragenden beruflichen Leistungen. Und Grund und Anlass für besonderen Dank, dass diese Leistungen den jungen Menschen hier bei uns und damit der Zukunft unserer Stadt und Region zugutegekommen sind. Denn jeden Morgen geht mit den Schülerinnen und Schülern die Zukunft durch die Türen unserer Schulen. Und diese Schülerinnen und Schüler sind vielfältiger und unterschiedlicher denn je.

Nach vielen Jahren Tätigkeit als Lehrer, Konrektor und nun als Rektor haben Sie sozusagen das Klassenziel erreicht und verlassen den Schuldienst, um in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Ihren beruflichen Werdegang zu skizzieren ist gar nicht so kompliziert. Kontinuität war bei Ihnen bis zum Schluss angesagt. Nach Ihrer Zeit als Lehrer an der Realschule Laichingen bis einschließlich 1982 sind Sie auch beruflich Ihrer Ehefrau gefolgt und haben sich an die Geschwister-Scholl-Realschule in Bad Urach versetzen lassen. Und damit Ihr Weg zur Schule nicht allzu weit war, haben Sie Ihr Haus gleich direkt neben dem dortigen Schulzentrum gebaut. Bis 2007 waren Sie an besagter Realschule, davon ab 1998 als Konrektor. Dann kam der Ruf aus Neuffen, dem generell schon niemand wirklich wiederstehen kann. So erging es auch Ihnen und Neuffen konnte sich glücklich schätzen, dass Sie zum 1. März 2007 als Rektor unserer Realschule eingestiegen sind.

Da auch ein Rektor nebenbei noch was schaffen sollte, haben Sie den Unterricht nicht ganz eingestellt, unterrichteten Englisch und Geschichte und waren bis heute durchgehend auch Klassenlehrer der 9er- und 10er-Klassen. Der Schüleraustausch mit den USA war eines Ihrer Herzensangelegenheiten. Aber zuvorderst war es Ihnen ein großes Bedürfnis, den Verwaltungs- und Lehrerbereich umzubauen. Denn, so Ihr Motto: gute Arbeitsbedingungen wie auch die mediale Ausstattung wirken sich positiv auf das Schulklima und auch die Eltern aus.

Den Beruf des Schulleiters, der Lehrer ist und quasi nebenbei die Schule leitet, gibt es nicht mehr. Wer dies wirklich glaubt, der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet. Die Anforderungen an Schule und an deren pädagogische und organisatorische Steuerung haben sich gravierend geändert. Man spricht allgemein bei Schulleiterinnen und Schulleitern zwischenzeitlich sogar von multifunktionalen Wunderwesen. Und das in Spannungsfeldern zwischen Freiheit und Vorgaben, zwischen Erwartungen und Machbarkeit, zwischen Engagement und Ergebnis, zwischen Zielvereinbarung und Zielvorgaben, schlichtweg zwischen verschiedenen sich widersprechenden Bedürfnissen.

Die Internetseite der Realschule begrüßt natürlich nicht nur mit dem eingangs genannten Gedicht. Selbstverständlich kann man auch das Eine oder andere über den einen oder anderen Lehrer und damit natürlich auch den Rektor erfahren. Und so ziert auch ein Steckbrief des Herrn Hoffmann die Seite. Danach hat Ihnen, lieber Herr Hoffmann, Ihre eigene Schulzeit sehr gut gefallen. Kinder und Jugendliche zu erziehen und auszubilden, das ist für Sie eine spannende und lohnende Aufgabe, weshalb Sie auch Lehrer geworden sind. „Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen“, so lautet Ihr Lebensmotto. Und Ihren Schülerinnen und Schülern geben Sie den Rat mit aufs weitere Leben, dass nur der Beruf der richtige ist, der den eigenen Fähigkeiten entspricht und auch wirklich Spaß macht.

Der letzte Tag eines langen Berufslebens ist meist mit Vorfreude, aber auch mit einigen Wermutstropfen verbunden. Auch Ihnen, lieber Herr Hoffmann, wird es heute wohl nicht anders ergehen. Niemandem fällt es leicht, sich von einer Tätigkeit zu verabschieden, die man so gern und sehr engagiert wie Sie ausgeübt hat und die einem auch viele Erfolgserlebnisse gebracht hat. Aber sicher freuen Sie sich auch darauf, nun endlich mehr Zeit für sich zu haben und sich all dem widmen zu können, was in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen ist. Dazu habe ich von Ihren Hobbies gelesen, die da wären das Haus, der Garten, Tanzen und Lesen und nicht zuletzt natürlich Ihre Familie. Die sich Dank Ihrer Söhne zwischenzeitlich auch auf zwei Enkelkinder erweitert hat, 4 ½ und 2 ½ Jahre, wenn ich auch da richtig informiert bin.

Lehrer zu sein – und erst recht eine Schule zu leiten -, das ist nicht irgendein Beruf, sondern das ist Berufung. Nichts, das man mit links erledigen oder bei dem man nach Feierabend auch die Gedanken an die Arbeit wegschließen kann. Dazu hat diese Tätigkeit zu viel mit jungen Menschen zu tun, die Förderung und Zuspruch brauchen oder sich mit Problemen herumschlagen. Dazu ist die Schule, die in Gang gehalten sein will, ein zu komplexes Gefüge. Dazu werden aber auch von allen Seiten zu viele Anforderungen gestellt.

Der Tag Ihrer Verabschiedung ist daher auch ein Tag des Dankes für Ihr unermüdliches Engagement für „Ihre“ Schule und für die Erfolge, die Sie hier erzielen konnten. Für die Stadt Neuffen als Schulträger, für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt sowie der Nachbargemeinden spreche ich Ihnen daher meinen herzlichsten Dank für Ihre Arbeit aus. Ihre Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern, wird sicher dazu beitragen, dass Sie auch Ihrem neuen Lebensabschnitt viel abgewinnen und den Ruhestand genießen können. Und in diesem Ruhestand auch mehr Zeit für Sir Henry zu haben. Und damit ist nicht unser Hausmeister gemeint, der rein zufällig Henry mit Vornamen heißt. Nein, auch der Hund Ihres Sohnes heißt so, habe ich mir sagen lassen. Und weiterhin sagen lassen, dass dieser durch das notwendige „Gassi gehen“ sehr zu Ihrer Fitness und Ihrem Wohlbefinden beitragen würde.

Lieber Herr Hoffmann, alles Gute für Ihre Zukunft. Bleiben Sie ein Anwalt der jungen Menschen, die alle mehr können als wir ihnen zutrauen und glauben.

Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats,
liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

wir leben in nicht gerade ruhigen Zeiten. Europa muss als Institution gegen Auflösungserscheinungen kämpfen. Viele EU-Staaten begreifen die Gemeinschaft nur als Melkkuh, nicht mehr als Solidargemeinschaft. Vor allem die Osteuropäer wollen die Vorteile der Gemeinschaft, aber sich nicht an den Pflichten, etwa der Bewältigung des Flüchtlingszustroms, beteiligen. Der Präsident der USA entzieht mit seinem unsäglichen „America first“ sein Land seiner weltpolitischen Verantwortung. Fasching ist zwar vorbei, aber weltweit sind doch immer noch einige Narren am Werk.

Bei aller Unordnung scheint Deutschland und seine Wirtschaft ein unbeirrbarer Hort der Solidität zu sein. Scheinbar unbeeindruckt sind wir nach dem Krisenjahr 2008/2009 im neunten Jahr eines beispiellosen Aufschwungs. Und ein Ende ist kaum in Sicht. Jetzt bleibt allerdings zu hoffen, dass es ein halbes Jahr nach der Bundestagswahl nun endlich auch zu einer stabilen Regierung in Berlin kommt. Der politische Gestaltungsauftrag duldet sowohl europäisch gesehen als insbesondere national keinen weiteren Aufschub mehr.

Die deutsche Wirtschaft steht unter Volldampf. Einzig der Dieselskandal erschüttert unsere Automobil- und Zuliefererunternehmen und damit auch besonders die Wirtschaft in unserem Landkreis Esslingen. Unter all diesen Rahmenbedingungen einen soliden Haushalt für 2018 und eine zukunftsfeste Finanzplanung für die Folgejahre aufzustellen, dazu bedarf es fast schon hellseherischer Fähigkeiten.

Drei Grundsätze waren uns als Verwaltung wichtig:

1. Wir konzentrieren uns auf das, was wir selbst beeinflussen und lösen können. Der Haushaltsplan 2018 beweist, dass Verwaltung und Gemeinderat ihre Hausaufgaben gemacht haben.

2. Das was wir tun, tun wir mit klarem Kurs, mit Beharrlichkeit und mit Standhaftigkeit. Wir konzentrieren uns auf das Wichtigste. In all unseren hier im Gemeinderat beschlossenen Handlungsfeldern haben wir Konzepte und darauf aufgesetzte Maßnahmeplanungen, die es umzusetzen gilt. Es zahlt sich immer aus, fundiert zu planen, dann die Finanzierung sicher zu stellen und schließlich die Maßnahmenpakete Schritt für Schritt anzugehen. An den Beispielen Stadthallensanierung und Mensaneubau wird diese unsere Vorgehensweise am deutlichsten sichtbar.

3. Ein drittes war und ist uns wichtig. Eine verlässliche und nachhaltige Haushaltspolitik garantiert Zukunftsfähigkeit. Der Haushalt 2018 ist ein Spiegelbild einer guten Wirtschaftslage in unserem Land. Wir können also mit Zuversicht unser anspruchsvolles Investitionsprogramm weiter vorantreiben. Wir dürfen allerdings nicht glauben, dauerhaft Haushaltsüberschüsse erwirtschaften zu können. Deswegen heißt nachhaltige Haushaltspolitik, die notwendigen Investitionen zu tätigen und die konsumtiven Aufgaben auf das zu beschränken, was wir uns in weniger guten Zeiten auch noch leisten können.

Und damit zu den Kerndaten und Zahlen unseres Haushaltes für das Jahr 2018:

Die Zuführungen vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt können wir auch in diesem Jahr fortsetzen und einen Betrag in Höhe von 1,162 Mio. € erwirtschaften. Die Rücklage hat derzeit einen Stand von rund 717.000,– €. Zum Ende des Jahres liegen wir bei rund 792.000,– € und damit weit über dem gesetzlichen Mindestbestand von 262.500,– €.

Wie in den letzten Jahren sind auch in diesem Jahr keine Kreditaufnahmen nötig. Unter anderem können die vorgesehenen Investitionen in unsere Hoch- und Tiefbaumaßnahmen aus eigenen Kräften geschultert werden, ohne dass wir hier auf den Kapitalmarkt gehen müssen. Und letztendlich haben wir auch die in den letzten Jahren begonnene jährliche Einzahlung von 30.000,– € in den Hochwasserfonds fortgesetzt und erreichen dort einen aktuellen Stand von 150.000,– €.

Nicht zuletzt die Gewinnausschüttungen unserer Stadtwerke tragen maßgeblich dazu bei, unsere Bürgerinnen und Bürger von Steuererhöhungen, wie sie teilweise in anderen Kommunen unumgänglich sind, zu verschonen. So lassen wir auch in diesem Jahr die schon im Jahr 2010 festgelegten Hebesätze für die Grund- und Gewerbesteuer unverändert. Und nach heutigem Stand gibt es auch keinen Grund, im kommenden Jahr 2019 an dieser Einnahmeschraube zu drehen.

Wir legen Ihnen für 2018 einen Haushalt vor, der mit einem Gesamtvolumen von 15,309 Mio. € abschließt. Davon der Verwaltungshaushalt mit ca. 13,839 und der Vermögenshaushalt mit ca. 1,470 Mio. €. Der Höchstbetrag der Kassenkredite ist schon seit Jahren unverändert auf 1,9 Mio. € festgeschrieben.

Im Verwaltungshaushalt sind die Einnahmen bei der Gewerbesteuer mit 1,4 Mio. € und bei der Grundsteuer mit insgesamt 790.000,– € veranschlagt. Unser Anteil an der Einkommensteuer ist auf der Basis der Orientierungsdaten mit 4,215 Mio. € eingestellt und zeigt eine unverändert steigende Tendenz. Unsere Einnahmen aus der Umsatzsteuer sind mit 208.000,– € veranschlagt. Die Finanzzuweisungen werden mit rund 2,610 Mio. € erwartet. Sie teilen sich auf in Zuweisungen nach der mangelnden Steuerkraft sowie der kommunalen Investitionspauschale. Das Gebührenaufkommen und die gebührenähnlichen Einnahmen belaufen sich auf 498.000,– €.

Bei den Ausgaben liegen die Schwerpunkte naturgemäß wieder in der Unterhaltung und Bewirtschaftung des städtischen Vermögens. Der Personalaufwand ist mit 3,921 Mio. € geplant auf der Basis des Rechnungsergebnisses 2016, der Entwicklung des Jahres 2017 und den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst. Die Ansätze bei den Sachkosten wurden gegenüber den Vorjahren nur in Einzelfällen verändert.

Die Einnahmen im Vermögenshaushalt kommen teilweise aus einem eingestellten Landeszuschuss für ein Feuerwehrfahrzeug in Höhe von 45.000,– €. Für die Stadtsanierung erwarten wir eine Landesförderung von 206.000,– €. Ebenfalls vom Land ist uns für die Erweiterung vom Kindergarten Kelterplatz ein Zuschuss über 20.000,– € angekündigt. Und nicht zuletzt kommen aus einer privaten Stiftung 32.000,– € für die Medienausstattung unserer Realschule.

Mit diesem Haushalt 2018 und der Finanzplanung für die kommenden Jahre besetzen wir alle zentralen und wichtigen Handlungsfelder für eine fortschrittliche Stadt Neuffen. Wir tun dies mit großer Seriosität und auf der Basis solider Finanzen. Wir können die Zukunft zwar nicht voraussehen, aber sie für uns möglich machen. Dafür bitte ich um Ihre Zustimmung zu dem Ihnen vorliegenden Haushaltsentwurf, den Ihnen unser neuer Kämmerer Bernd Eggstein zusammen mit seiner Stellvertreterin Tanja Schöllhammer nun im Detail vorstellen wird.

Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung, besonders der Kämmerei für ihre gute Arbeit, die Ihr Vertrauen verdient, liebe Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates.

„Geld verderbe den Charakter“, heißt es allgemein gültig.

Doch, lieber Albrecht, diese oft verwendete Redewendung trifft auf Dich persönlich überhaupt nicht zu. Du hast im Laufe Deiner 40 Dienstjahre hier in Neuffen an entscheidender Stelle als Stadtkämmerer in 40 Haushaltsplänen insgesamt ca. 750 Millionen € der öffentlichen Hand verwaltet und trotzdem Deinen tadellosen Charakter bewiesen und behalten.

So darf ich Dich als 23 Tage alter Pensionär und damit noch in der Probezeit mit Deiner Familie ganz herzlich begrüßen. Mein Gruß gilt aber neben der Verwaltung und dem Gemeinderat all denjenigen, die unserer Einladung für heute Abend gefolgt sind. Namentlich erwähnen darf ich meinen Amtsvorgänger und Deinen langjährigen Rathauschef Wolfgang Schmidt, unseren kürzlich in den Gemeinderatsruhestand verabschiedeten Dieter Kammerer, Deinen früheren Amtsleiterkollegen Otto Götz, Deinen ehemaligen Mitarbeiter Willy Heinickel, sowie die Vertreter der örtlichen Vereine, die es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, Dich als ihren Vorstandskollegen gebührend zu würdigen. Nicht zu vergessen und noch mal einen Gruß an unsere Besucherinnen und Besucher der heutigen Ratssitzung. Sie alle Miteinander drücken mit Ihrer Anwesenheit Ihre Wertschätzung für Herrn Klingler aus. Hierfür danke ich Ihnen ganz besonders.

Sehr geehrter Herr Klingler, lieber Albrecht. Bei diesem Tagesordnungspunkt heute stehst ausschließlich Du im Mittelpunkt des Gemeinderates, wobei Dir diese Position nicht ganz unbekannt ist. In den letzten 40 Jahren warst Du es ja gewohnt, als Stadtkämmerer dem Gemeinderat sowohl Hiobsbotschaften, aber natürlich auch positive Meldungen zu überbringen. Doch heute sieht es hier ganz anders aus. Es heißt Abschied nehmen von Dir und Deiner geschätzten Mitarbeit. Die Stadt hat Dich in den von Dir beantragten wohlverdienten Ruhestand entlassen, der hoffentlich bei Dir zu einem Unruhestand wird.

Im August 1969 bist Du beim Bürgermeisteramt Hülben „in Ausbildung genommen worden“, wie es damals hieß. Gleichzeitig wurdest Du vom Regierungspräsidium Südwürttemberg-Hohenzollern zur Vorbereitung für den gehobenen Dienst in der Kommunalverwaltung zugelassen.

Zum Ende der Ausbildung gab es natürlich auch ein Zeugnis. Das vom Hülbener Bürgermeisteramt datiert exakt zum 24. August 1971 und ich zitiere einen Abschnitt, der mir geradezu ins Auge gesprungen ist und gar nicht zu übersehen war: „Wenn auch erwartet werden darf, dass sich im Laufe des weiteren Berufsweges seine Umgangsformen noch etwas verfeinern, so darf doch bestätigt werden, dass er in finanziellen Dingen absolut ehrlich und verlässlich war“.

Der Überlieferung nach hing der Hinweis mit den Umgangsformen damit zusammen, dass Albrecht Klingler im Rathaus Hülben einen etwas jüngeren Mit-Auszubildenden wegen ungebührlichem Verhalten mal ganz einfach so an einem Stück aus dem Fenster geworfen hatte. Aber zum Glück des Azubis war das Fenster schon geöffnet und befand sich im Erdgeschoss. Und zu dessen weiterem Glück war es im Winter und diese hatten damals noch recht viel Schnee, der vor dem Fenster in großer Menge aufgehäuft war. Das war das größte Glück des Mit-Auszubildenden. Und so war zwar der Flug bestens gelungen und die Landung auch recht sanft, hingegen brachte es Herrn Klingler den wohl eher weniger zart gemeinten Hinweis im Zeugnis ein.

Mit dem Weiterlesen im Zeugnis habe ich dann jedenfalls aufgehört. Die Karriere eines Kämmerers war Dir mit dem zweiten Halbsatz dieses Zeugnisabschnittes aber eindeutig vorgegeben. Da ich seine früheren Umgangsformen nicht kannte, kann ich auch nichts dazu sagen, ob sie sich im Vergleich zu seiner Ausbildung tatsächlich verfeinert haben. Aber zum Glück für die Auszubildenden in Neuffen saß Albrecht Klingler im hiesigen Rathaus von Anfang an im ersten Stock und Schnee gibt es bekanntermaßen ja auch nicht mehr so viel. Von auf „Hülbener“ Art das Rathaus verlassende Auszubildende ist deshalb in Neuffen nichts überliefert.

Die nächsten beiden Zeugnisse, einmal vom Landratsamt Reutlingen für seine dortige 1-jährige Ausbildungsfortsetzung, sowie zum anderen vom Bürgermeisteramt Grabenstetten, wo er nach einem weiteren Jahr am 31. August 1973 seine praktische Ausbildung beendet hatte, waren weniger spektakulär. Am 1. September 1973 jedenfalls hatte er mit dem Fachstudium an der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung in Stuttgart begonnen. Dieses dauerte etwas über 2 Jahre, genauer gesagt bis zum 30. November 1975.

Am 8. Dezember selbigen Jahres stieg er dann endgültig ins Berufsleben ein, und zwar beim Bürgermeisteramt in Veringenstadt im Kreis Sigmaringen. Um Beamter zu werden, bedarf es neben der Ausbildung natürlich noch einer amtsärztlichen Untersuchung. Diese fand statt beim Staatlichen Gesundheitsamt in Sigmaringen. Und auch da gibt es ein paar bemerkenswerte Einträge in dem amtsärztlichen Zeugnis, die ich in meiner nun auch schon über 40-jährigen Berufserfahrung noch nirgends gesehen habe und Ihnen, liebe Gäste, nicht vorenthalten möchte:

• So steht mit 81,5 kg ein guter Allgemeinzustand im amtsärztlichen Zeugnis. Wohlgemerkt, das war von 42 Jahren.
• Gebiss ausreichend saniert, Sprache klar und fehlerfrei.
• Der Leib wurde als weich beschrieben.
• Die Leber war nicht zu ertasten.

Was der letzte Hinweis zu bedeuten hatte, entzieht sich meiner Kenntnis und es gab auch keine weitergehenden Erläuterungen dazu. Auf jeden Fall habe ich dann, wie vorher beim Zeugnis auch, hier aufgehört weiterzulesen. Den Gesundheitscheck hatte er aber ohne Einschränkungen bestanden und so stand seiner Beamtenlaufbahn nichts mehr im Wege.

Zu uns nach Neuffen ist Albrecht Klingler am 1. Februar 1977 gekommen. Als Nachfolger vom damaligen Stadtkämmerer Bareis wurde er vom Gemeinderat am 16. November 1976 gegen einen Mitbewerber mit 9 zu 6 Stimmen mit deutlicher Mehrheit gewählt. Gott Lob hatte sich unser damaliger Gemeinderat für Herrn Klinger entschieden. Gottlob, so heißt er mit zweitem Vornamen, was ich bis zum Schreiben dieser Zeilen aber auch nicht wusste. Gott Lob ist die Wahl aber nicht wegen seinem Namen auf ihn gefallen. Sondern weil Neuffen einen Stadtkämmerer bekommen hat, der sein Geschäft von der Pike auf erlernt und sich vorher schon in Veringenstadt in der gleichen Position bewährt hatte.

Als Stadtinspektor z. A. (das ist die offizielle Abkürzung für „zur Anstellung“, von Vorgesetzten gerne aber auch „zum Anschiss“ umgedeutet) ging es los. Am 15. Juli 1978 fiel das z. A. weg, Albrecht Klingler wurde aufgrund Ratsbeschluss vom 2. Juni 1978 zum richtigen Stadtinspektor ernannt. Die erste Beförderung zum Stadtoberinspektor erfolgte am 16. Januar 1979, die nächste zum Stadtamtmann am 1. Juli 1980, zum Stadtamtsrat am 1. Januar 1985 und letztendlich die in seiner Laufbahn letztmögliche zum Stadtoberamtsrat am 1. Juni 2005. Selbstredend gingen diesen Beförderungen jeweils Gemeinderatsbeschlüsse voraus. Und nebenbei wurde er am 1. Dezember 1979 noch zum Beamten auf Lebenszeit ernannt.

Dem Berufsstand der Beamten sagt man ja nach, dass er ein ganz fauler sei. Dem ist selbstverständlich und insbesondere bei Dir nicht so. Ich kann Dir eine ungebremste Arbeitswut attestieren. Hattest Du doch noch eine Menge Resturlaub und hättest diesen bis Ende des Jahres abbauen müssen. Hast Du jedoch nicht gemacht, stattdessen die Papierstapel in Deinem Büro abgebaut. Allerdings, so viele waren das auch wieder nicht. Warst Du doch nicht wirklich dafür bekannt, über alles Mögliche und Unmögliche gleich einen Aktenvermerk zu fertigen, geschweige denn überhaupt eine Akte anzulegen. Und wenn es doch mal gar nicht zu umgehen war, dann gab es seine berühmten „Drei-Zeiler“. Einem ausgewachsenen Dobermann beizubringen, sich einen Wurstvorrat anzulegen, scheint mir leichter zu sein, als Albrecht Klingler zum großen Schreiber umzufunktionieren.

Aber viel wichtiger waren die praktischen Ergebnisse, die von ihm geliefert wurden. Und die waren tadellos. Und wenn dann im Büro doch mal ein Dokument zu suchen war, war ich selbst mit der modernsten Bürokommunikationssoftware nie so schnell wie Albrecht Klingler. Ein Griff in den Stapel, die Suche war vorbei und das Gesuchte lag wie von Zauberhänden in den selbigen des Kämmerers. Unnachahmlich und klassisch nach alter Kämmerer-Schule halt. Egal, ob es sich um ein altes Wegerecht, eine Dienstbarkeit, ein Bauvorhaben oder was auch immer handelte.

In den 40 Jahren der Zuständigkeit um das Finanz- aber auch das Bauwesen der Stadt Neuffen hat der Gemeinderat viele Projekte beschlossen, die von Albrecht Klingler umgesetzt wurden. Um es auf ein paar Schwerpunkte zu begrenzen:

• Anschaffung sämtlicher Geräte und Fahrzeuge für Feuerwehr und Bauhof.
• Neubau bzw. Erweiterung vom Feuerwehrmagazin, der Realschule, der Hauptschule, der Kindergärten Stadtkern, Auchtert und Kappishäusern, Marktscheune und die Rathaussanierung, um nur einige Hochbauprojekte zu nennen.
• In den Friedhofsbereichen die Erweiterungen der selbigen in Neuffen und Kappishäusern sowie aktuell die neuen Bestattungsformen in Neuffen.
• Von Anfang an sämtliche städtischen Hoch- und Tiefbaumaßnahmen in den Stadtsanierungsprogrammen begleitet.
• Die Baugebiete Stiegeläcker, Wasserstube-Eichberg, Auchtert I + II, Taschetwiesen, Stuttgarter Straße erschlossen.
• Als Werkleiter zuständig für den Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung.
• Im Tiefbaubereich Ausbau der Breitensteinstraße, Nürtinger Straße, Uracher Weg, Hebelstraße, Urbanstraße, Uhlandstraße, Paulusstraße, Theoderichstraße, Bahnhofstraße und zuletzt die Jahnstraße.
• Und letztendlich ohne Einschränkungen bevollmächtigt gewesen, alle Kaufverträge der Stadt Neuffen nicht nur auszuhandeln, sondern diese auch abzuschließen.

Unser nun 23 Tage-Altkämmerer ist zum Jahresende aus dem Dienst der Stadt Neuffen ausgeschieden. Das hat nichts mit der Stadt zu tun, es ist rein altersbedingt begründet, dass man mit dem Erreichen des 65ten Lebensjahres gemeinhin in den Ruhestand zu gehen pflegt. Und deshalb hat der Gemeinderat seinem Antrag auf Versetzung in den Ruhestand zum 1. Januar 2018 zugestimmt.

Es heißt, auf der Jagd und bei einer Verabschiedung werde am meisten gelogen. Das tun wir hier nicht, lieber Albrecht, weil es dafür auch gar keinen Grund gibt. Du hast Dich mit Rat und Tat stets vorbildlich für die Stadt Neuffen eingesetzt. Seit dem 1. Januar 2011 habe ich Dich samt Deiner verfeinerten, oder auch unverfeinerten, Umgangsformen bis heute erleben dürfen. Es waren sieben schöne und erfolgreiche Jahre. Zwei Bürgermeister hast Du er- und überlebt (oder die Dich), mich hast Du nicht geschafft, was natürlich allein vom Alter her auch gar nicht zu schaffen war.

Deine Loyalität kann ich Dir ohne Einschränkungen bestätigen. Deshalb sage ich Dir sowohl im Namen des Gemeinderates, der gesamten Bürgerschaft von Neuffen aber auch ganz persönlich Dank für Deinen Dienst über 40 Jahre bei der Stadt Neuffen. Für die Zukunft wünsche ich Dir und Deiner Familie alles erdenklich Gute. Lehne Dich zurück in Deinem Ruhestand, genieße Land und Leute in Deinem Unruhestand. Neuffen wirst Du ohnehin nicht los. Du bist ja unverändert Präsident in Neuffens größtem Verein, dem Turnerbund. Als Leiter vom Orga-Team zum Eselhock bist Du auch bis mindestens 2025 vertraglich an uns gebunden. Und als Eier-Mann von der Alb wirst Du mit Deinen Eierlieferungen Deinen bisherigen Abnehmern im Rathaus ja ebenfalls erhalten bleiben, wie ich schon gehört habe.

Zum Abschluss habe ich Dir noch ein Lied geschrieben, dessen Vortrag ich aber lieber denen überlasse, die dies auch können. Es gibt da in Neuffen Zwei, die habe ich extra für Dich und uns engagiert. Bekannt als „Hannes und der Bürgermeister“ treten Lars Flammer und Andreas Rückenbaum aber heute als Gesangs-Duo auf und ich wünsche gute Unterhaltung beim eigens komponierten Abschiedssong für Albrecht Klingler. Bühne frei.

Sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderates,
lieber Herr Kammerer,
liebe Gäste.

Einen Kollegen unter uns verabschieden wir heute, der nicht nach der vergangenen Wahlperiode ausgeschieden ist, aber auch nicht warten will bis 2019 zur nächsten Kommunalwahl, sondern sein Mandat zum Ende des Jahres 2017 niedergelegt hat.

Dieter Kammerer bereicherte seit nunmehr über 24 Jahren nicht nur den Gemeinderat, sondern war von seiner beruflichen Tätigkeit her mit den besten Voraussetzungen ausgestattet, auch dem städtischen Bauausschuss mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Für uns im Gemeinderat und in der Verwaltung war er als Vermesser ein unverzichtbares wandelndes Lexikon, wenn es darum ging, Informationen über die örtlichen Verhältnisse in der Stadt und auf der Gemarkung zu erhalten. Und ich gehe mal stark davon aus, dass wir da auch in der Zukunft auf sein Wissen zurückgreifen dürfen.

Heute wird in Unternehmen viel von „Anerkennungskultur“ gesprochen. Kollege Dieter Kammerer hat vorgemacht, wie dies geht. Er zeichnete sich ganz besonders dadurch aus, dass er immer auch die Leistungen und Meinungen anderer würdigte, seien es Kolleginnen und Kollegen anderer Fraktionen, Mitglieder hier am Vorstandstisch, aber auch Verwaltungsmitarbeiter, wenn er im Rathaus zu tun hatte.

Herausstellen kann und darf ich für Sie, lieber Herr Kammerer, dass auch Sie sich als ehrenamtlich tätiger Kommunalpolitiker unter Hintenanstellen persönlicher Interessen für das Allgemeinwohl engagiert haben. Sie haben sich auf das besonders aufwändige Feld der örtlichen Politik begeben und viel Ihrer Freizeit geopfert. Wenn andere ihren privaten Hobbies und Vergnügen nachgegangen sind, haben Sie an Beratungen teilgenommen, sei es als Vorsitzender in Ihrer Fraktion, in den Ausschüssen, aber insbesondere hier im Gemeinderat. Sie haben sich für das Wohl unserer Stadt eingesetzt und viele wichtige Entscheidungen der letzten Jahre mitgetragen. Sie haben sich für wegweisende Projekte stark gemacht. Ich fasse es einfach zusammen: womit unsere Stadt heute punkten kann, daran haben auch Sie maßgeblich mitgewirkt.

Lieber Herr Kammerer, die Armbanduhr der Stadt Neuffen, die ich Ihnen als kleines Dankeschön überreichen darf, soll Sie an Ihr Wirken in diesem Gremium erinnern. Und damit es nicht ganz so trocken abgeht, gibt es zusätzlich pro angefangene Wahlperiode noch eine Flasche unseres Neuffener Weines. Wenn ich richtig gerechnet habe, wären dies 5 an der Zahl.

Für Ihr Engagement im Gemeinsinn bedanke ich mich heute im Namen aller Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, im Namen Ihrer bisherigen Ratskolleginnen und -kollegen, aber auch persönlich bei Ihnen ganz herzlich. Für die Zukunft und das kommunalpolitische Rentnerdasein wünschen wir Ihnen alle alles Gute. Für zumindest namentliche Kontinuität hier im Rat haben Sie ja schon gesorgt. Ihr Nachfolger, der für die UBL nun in den Gemeinderat einzieht, heißt schließlich ebenfalls Dieter, wenn auch nicht Kammerer, sondern Bertsch. Und der kommt gleich dran, sobald wir jetzt mit Ihnen fertig sind.

Verehrte Kirchengemeinde,

wer heute durch Deutschland oder Europa fährt, dem fällt es schwer, in den idyllischen Landschaften, den schönen Dörfern und in den lebendigen Städten die Schauplätze der Kriege, Diktaturen und Gewalt des 20. Jahrhunderts zu erkennen. Doch tatsächlich gibt es kaum einen Ort, der im vergangenen Jahrhundert nicht Schauplatz war. Von Leid, Scham und Trauer – aber auch von Verdrängen und Verleugnen.

Seit den 1920er-Jahren hat das Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkriegs in ganz Europa in Denkmalen und Soldatenfriedhöfen seinen materiellen Ausdruck gefunden. Nach 1945 aber, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der von Deutschland als Eroberungs- und Angriffskrieg geführt wurde, sollte es Jahrzehnte dauern, bis der von Deutschland betriebene Völkermord an den europäischen Juden und die Ermordung von angeblich „lebensunwerten“ Menschen zu einem wesentlichen Bestandteil der deutschen und gar europäischen Erinnerungskultur wurde. Zum sichtbarsten Zeichen wurde das Denkmal für die ermordeten Juden Europas errichtet. Unübersehbar im Herzen des wiedervereinigten Berlins.

Als der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge 1919 vorschlug, einen Volkstrauertag einzuführen, ging es vor allem darum, die im Ersten Weltkrieg gefallenen deutschen Soldaten, deren Grabstätten sich oft weit entfernt von ihren Heimatorten befanden, zu betrauern und ihrer zu gedenken. Damals verband man mit der Einführung dieses Tages die Erwartung, dass eine einheitliche Erinnerung an das Leid des Krieges die Deutschen über alle Schranken hinweg zusammenführen könnte.

Seit den 1950er-Jahren ist dieser Volkstrauertag dem Gedenken an die Kriegstoten und an die Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen gewidmet. Unter dem Eindruck der Verbrechen des zweiten großen Krieges und der zahllosen Opfer entstand das Leitmotiv des Volksbundes, zu einer Versöhnung über den Gräbern beizutragen. Dieser doppelte Anspruch erwies sich als große Herausforderung. Mit dem Gedenken an die Kriegstoten aller Nationen leistete der Volksbund einen unschätzbaren Beitrag zur Völkerverständigung über den Eisernen Vorhang hinweg.

Der Volkstrauertag ist vor allem der Rückbesinnung auf Krieg und Gewaltherrschaft und der Trauer um die vielen Millionen Opfer zu allen Zeiten gewidmet. Er ist ein Tag, der Raum bietet für Trauer und Schmerz über all die ausgelöschten Leben. Denn hinter den Zahlen, die sich in vielen Millionen bemessen und die Toten und Opfer bezeichnen, stehen Biografien von Menschen, die geliebt wurden, die geliebt haben, die mutig waren, die unschuldig waren oder sich schuldig machten und die auch Verantwortung für den Tod und das Leid anderer trugen.

Aller Trauer über die menschlichen Verluste, aller Respekt vor dem Sterben und Leiden entbinden uns nicht von der Verantwortung, Fragen nach Verstrickung und Schuld zu stellen. Gedenken und Aufarbeitung sind keine Gegensätze, sondern gehören zusammen. Auch um diejenigen würdigen zu können, die als Unschuldige willkürlich verfolgt wurden oder ihren Einsatz gegen Gewalt und Diktatur und für demokratische Rechte und Freiheit mit ihrem Leben bezahlt haben. Nur wenn wir uns auch der Aufarbeitung stellen, können wir das Gedenken vor Vereinnahmungen schützen, die aus Opfern Täter und aus Tätern Opfer machen wollen und Fragen nach Verantwortung und Schuld nicht zulassen.

Nur so kann eine Landschaft der Erinnerung entstehen, die gleichermaßen an Völkermord und Gewaltherrschaft erinnert. Diese bietet zugleich Raum dafür, die Gewalterfahrungen all jener Menschen, die vor Krieg und Gewalt zu uns flüchten, aufzunehmen und diesen Menschen mit Respekt und Mitgefühl zu begegnen.

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